Die Kombination von Mensch und Technik ist toll.

von Jan

Ich bin Medizinisch-Technischer-Radiologieassistent geworden, weil ich zu gut in Physik aber zu schlecht für das Abitur gewesen bin. Gleichzeitig fasziniert mich die Kombination von Technik, Medizin und Mensch.

Was macht ein Radiologieassistent? Wir sind die Leute, die in Krankenhäusern und Arztpraxen die Röntgengeräte bedienen und die Röntgenbilder entwickeln. Die Radiologie spielt bei der Diagnostik eine sehr wichtige Rolle. Nicht nur bei unserem Klassiker, dem Knochenbruch, sondern auch bei allen anderen Erkrankungen, die sich durch Veränderungen im Körper erkennen lassen. Bei der Krebsvorsorge spielt die Radiologie ebenfalls eine große Rolle, da sich Gewebewucherungen schnell mit den verschiedenen Verfahren der Radiologie diagnostizieren und lokalisieren lassen.

Im Rahmen solcher Diagnosen erlebt man natürlich viele schöne Momente – aber natürlich auch schwierige Situationen. Bestätigte Diagnosen sind letztlich Ereignisse, die den kompletten Lebenslauf eines Menschen beeinflussen können. Ganz besonders dramatisch werden solche Erlebnisse bei Krebspatienten. Die Mammographie gehört dabei zu den Stationen, die ich persönlich nur sehr ungern besetze.

Ganz einfach erklärt: Bei der Mammographie wird die weibliche Brust zwischen zwei Fixierungs-Elemente gedrückt und dann im Summationsverfahren geröntgt. Mittlerweile geschieht dies fast ausschließlich auf digitalen Bildmedien. In den meisten Fällen reicht für diese Untersuchung das sogenannte Summationsverfahren, bei dem eine 2D-Mammographie erstellt wird, welche Verknotungen in der Brust deutlich sichtbar macht. Inzwischen gibt es auch 3D-Verfahren, die ausschließen, dass durch eine Überlagerung von Gewebestrukturen versehentlich krankhafte Veränderungen im Gewebe verdeckt werden.

Ich habe es tatsächlich nur zweimal erlebt, dass Brustkrebs diagnostiziert werden konnte. Trotzdem ist so eine Diagnose für die Frau im ersten Moment verheerend und für uns Mitarbeiter herzzerreißend. Zwar wird ein Arzt diese Nachricht überbringen, doch auch als MTAR bekommt man all das mit. Das sind so die Momente, an denen man sich an jeden anderen Platz der Welt wünschen möchte – obwohl ich mich freue, dazu beitragen zu können, solche Krankheiten bereits im Frühstadium erkennen zu können.

Wer sich insbesondere für die Mammographie interessiert, sollte wissen, dass dieses Verfahren normalerweise bei Frauen unter 40 Jahren nicht nötig ist. Empfohlen wird eine Untersuchung im Abstand von jeweils zwei Jahren ab dem Alter von 49 Jahren. Der Haus- oder Frauenarzt wird dazu aber mehr sagen können.

Neben solchen Dramen erlebt man natürlich auch viele lustige Momente mit den Patienten. Ganz zu Beginn meiner Beschäftigung war ich monatelang im Thorax. Das sind Aufnahmen des Brustkorbs, bei dem die Lungen und das Herz geröntgt werden. Man bittet den Patienten aus dem Wartebereich in eine Kabine, wo er seinen Oberkörper freimacht und röntgt ihn anschließend. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem besonders viel los war. Egal, wie schnell man arbeitete, immer mehr und mehr Patienten erschienen im Wartebereich. Aufgeteilt in drei Kabinen arbeitete ich Patient nach Patient ab. Bis ich plötzlich ein sehr zaghaftes Klopfen aus der ersten Kabine hörte. In ihr saß ein älterer Herr, den ich schlicht vergessen hatte, da ich seit geraumer Zeit Kabine 2 und 3 im Wechsel drangenommen habe. Ich entschuldigte mich aufrichtig und er nahm es mit Humor. Wie lange er dort letztlich gesessen hat, kann ich nicht sagen.

Ein anderer Moment, an den ich mich wirklich lange erinnern werde ist der, als eine sehr attraktive Frau mittleren Alters mich fragte, warum ich sie so versonnen ansehen würde. Ich war etwas in Gedanken und antwortete, dass ich ihr Schlüsselbein wirklich ausgesprochen schön fand. Sie bedankte sich lachend für ein Kompliment, dass sie tatsächlich noch nie gehört hatte. Meine Kollegen haben sich auch königlich amüsiert. Im Kreise meiner Kollegen würde meine Begeisterung für das Schlüsselbein einer Frau allerdings etwas gruseliger interpretiert.

Wie bei den Kollegen auf Station kann ich allerdings auch bestätigen, dass in der Radiologie die meisten Fehler passieren, weil das Arbeitspensum zu hoch ist. Gerade wenn viele stationäre Patienten zum Röntgen geschickt werden und dann noch ein NAW mit einem Polytrauma einfährt, wird es knapp. Das wirkt sich dann auf die Wartezeit der Patienten aus und da ist der Humor nicht immer so locker wie bei dem vergessenen Opi in der Umkleidekabine.

Privat beschäftige ich mich übrigens auch mit „bildgebenden Verfahren“. Ich bin kein guter Fotograf… beschäftige mich aber gern damit. Meine neue Errungenschaft ist eine Drohne mit Kamera, für die ich sogar einen Kurs besucht habe. Es macht ungeheuer Spaß und man bekommt gleichzeitig Bilder und Filme aus wirklich beeindruckenden Perspektiven. Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass man Drohnen zu solchen privaten Zwecken nutzen könnte. Technik entwickelt sich rasend schnell. Ich finde das spannend. Drohne mit Kamera und Spiegelreflex in der Freizeit und Röntgengeräte im Beruf. Ich mache also wirklich Fotos, die unter die Haut gehen.

Am kommenden Wochenende werde ich mit meiner Drohne zum Strand fahren. Vorausgesetzt das Wetter bleibt stabil. Bei Wind oder Regen bin ich nicht der Typ für Draußen. Der Sommer ist vorbei. Trotzdem gönne ich mir gern einen Spaziergang am Meer. Gut. Zugegeben: es geht mir tatsächlich nur um die Bilder mit der Drohne. Aber ich glaube, dass kann man mir auch nicht zum Vorwurf machen.

Am Montag stehe ich dann wieder pünktlich an den großen Fotoapparaten.